Ein Qatari im Ferrari
Qatar (rund 200.000 Einheimische, 500.000 Gastarbeiter) ist noch reicher, die Erdgasreserven werden sich erst in 100 Jahren erschöpfen, aber sie agieren etwas diskreter, buhlen weniger um den Badegast, obwohl sie ihn – zwei Besuche im Abstand von fünf Jahren haben es gezeigt – mehr und mehr verwöhnen. Sie setzen auf Sport, Kultur, lokales Ambiente und Landschaft. Derzeit entstehen für die im Dezember 2006 statt- findenden Asian Games 14 neue Stadien und ein halbes Dutzend Luxushotels zu den schon bestehenden. Ein Spaziergang in der Hauptstadt Doha ist hochinteressant. Die Straßen sind allesamt Boulevards, nur in der Altstadt gibt es noch die kleinen Gässchen. Man fährt viel im Kreis – ein Liter Superbenzin kostet 20 Cent – die so genannten „roundabouts“ lassen viel Platz für künstlerische Ausgestaltung, Beautifications genannt, die zwar selten schön, aber immer monumental sind. Ebenso sind die Bauwerke. Die Ministerien, alle am palmengesäumten Prachtboulevard Corniche gelegen, ähneln gigantischen Bollwerken. Die Glasfronten der Wolkenkratzer spiegeln den wolkenlosen Himmel. Alles, was noch aufwändiger und auffallender ist, gehört der Herrscherfamilie Al Thani. Der größte Hit schlechthin ist aber der „Inland Sea“. Rund eine Autostunde von Doha entfernt befindet sich die wohl schönste Wüstenlandschaft Arabiens. Zahlreiche Meeresarme durchziehen die bis zu 70 Meter hohen Dünen. Junge Qataris pflügen mit ihren starken Four-Wheel-Autos halsbrecherisch durch den Sand, immer knapp vor dem Absturz. Touristen nehmen einen Chauffeur und schlittern mit ihm in die entfernteren, ruhigeren Teile der Wüste. Ein Bad, ein Barbecue, ein Drink bei Sonnenuntergang und dann diese unglaubliche Stille unter funkelnden Sternen.